„Gefühlvoll mit der Kamera sehen“
Ich bin 1980 in Bergisch Gladbach zur Welt gekommen. Von Geburt an sehe ich nur schwarz-weiß (Zapfendystrophie), bin lichtempfindlich, habe eine Sehkraft von 10% und durch eine Muskelschwäche kann ich nicht räumlich sehen.
Trotz dessen schenkte mir mein Vater mit elf Jahren eine „Knipse“. Ich zeichnete damals gerne mit Bleistift und interessierte mich besonders für die Lichtstimmungen und die Räumlichkeit bis hin zum Gefühl, das ein Bild, ein Ort, etc. für mich erzeugte.
Erstaunt war ich, dass meine Empfindungen und Eindrücke schon damals auf den Fotos die ich schoss, einen emotionalen Eindruck bei den Betrachtern erzeugten.
Die Herausforderung für mich war allerdings, dass die Bilder damals farbig waren und die Verbesserungsvorschläge hauptsächlich mit Farbe zu tun hatten.
Als ich vierzehn war, kaufte mein Vater sich eine Canon EON 1100N. Doch wer lief damit rum und fotografierte? Ich – und das Beste daran, er ließ sie mich auch überall mit hinnehmen, was unter Anderem
dazu führte, dass sie in diversen Bächen landete. Die Kamera lebt heute noch und wieder bei meinem Vater.
Endlich hatte ich genügend Geld, um die Kamera mit schwarz/weiß-Filmen zu füttern. Dadurch konnten erstmals die „Anderen“ sehen, was ich sehe, zumindest, was die Graustufen angeht.
Mit neunzehn kam es zu meinem ersten Shooting Versuch mit einer Klassenkameradin. Sie besaß keine schönen Bilder von sich und ich war sehr nervös und gespannt, da ich doch damals dachte,
sowieso niemanden zu einer Session überreden zu können. Schnell waren sämtliche Bettlaken an der Wand sowie ein paar Deckenfluter und Punktstrahler organisiert – hatte ich eine Ahnung von Licht etc.? Definitiv nicht!
Für uns beide war es ein Erlebnis, ich scannte ihre Bilder ein und über die Jahre verbesserte sich mein Wissen über digitale Nachbearbeitung. Es folgten weitere Shooting Versuche mit mehr und mehr Erfolg, bis mein Vater fasziniert von meinen Resultaten mir zu Weihnachten 2004 die Canon EOS 300D schenkte. Daraus wurde 2006 die Canon EOS 400D, die nach wie vor mein ganzer Stolz ist.
Seit Anfang 2008, unterstützt durch den Unternehmensberater Jörg Praetorius, begann ich meine früheren Erfolge (meine Bilder) zu sichten und die Eigenheiten meiner Art – Menschen auf Bild zu bannen – zu erspüren.
Es stellte sich heraus, dass die Dinge, die ich für selbstverständlich hielt, sowohl von den fotografierten Personen, als auch von Denjenigen, die zusahen, als etwas Besonderes angesehen wurden.
Ich selber stand nie gerne vor der Kamera und mochte auch dieses Gehabe nicht – „Du musst jetzt lächelnd in die Kamera blicken“.
Ich hole jede Person, die ich fotografiere, aus ihrem Alltag heraus und lasse sie in ihre Gefühlswelt eintauchen. Das Fotografieren, ist das Handwerk was nebenher funktionieren muss, damit ich meine volle
Konzentration auf die Person vor mir richten kann. Das Erspüren ihrer Fähigkeiten und Potenziale sowie das Herauskitzeln dieser stehen dabei im Vordergrund.
Alle Menschen, die auf diesen Bildern abgebildet sind, hatten vorher keinerlei Erfahrung vor der Kamera.
Ohne Autofocus, wäre es mir nicht möglich scharfe Bilder zu machen. Klar sehe ich viele Details nicht, dennoch die Hauptstrukturen kann ich erspüren (eine bessere Erklärung dafür habe ich nicht).
Ich suche den Ort und meine Kamera schaut für mich – schauen Sie für sich selbst.